Damit alles stimmt

Tipps für wissenschaftliche Arbeiten



Die Anforderungen an den Inhalt und die Gestaltung einer Seminar- und Abschlussarbeit sind streng. Deshalb habe ich häufige Unklarheiten und Fehler gesammelt und zeige Ihnen, wie es richtig geht.

 

Wenn Sie diese Tipps beachten, profitieren Sie gleich dreifach, denn eine bereits gut überarbeitete Arbeit nimmt weniger Zeit im Lektorat in Anspruch und dies schlägt sich wiederum positiv im Preis nieder. Darüber hinaus sparen Sie Zeit bei Ihrer letzten Überprüfung der Arbeit nach meinem Lektorat. Sie sehen: Es lohnt sich, sich mit den formalen und inhaltlichen Anforderungen einer wissenschaftlichen Arbeit auseinanderzusetzen.


Formale Anforderungen

Schriftart und -größe

Ob Überschrift, Fließtext oder Fußnotentext  eine einheitliche Schriftart ist ein Muss. Bei der Schriftgröße können Sie gerne variieren, sollten aber jeweils eine für Überschriften, Fließtext und Fußnotentext beibehalten.

Zeilenabstand

Für den Zeilenabstand gilt dasselbe wie für die Schriftgröße: Auch hier ist Einheitlichkeit geboten. Nach einer Überschrift kann der Zeilenabstand größer sein als bspw. zwischen den einzelnen Zeilen des Fließtextes  beim Letzteren ist 1,5 pt. allerdings die Regel.

Kapitelnummerierung

Kapitelnummern enden nie mit einem Punkt! Dabei spielt es keine Rolle, ob die Kapitelnummer aus einer oder mehreren Zahlen besteht. Richtig sind demnach folgende Beispiele:

      1 Einleitung

      2.3 Geschichtlicher Hintergrund

Anzahl der Unterkapitel

Eine Untergliederung eines Kapitels macht nur dann Sinn und ist auch nur dann legitim, wenn es sich dabei um mindestens zwei Unterpunkte handelt.

Seitenzahlen

Auf Seite 1 befindet sich immer die Einleitung. Folglich werden vorherige Seiten wie das Inhaltsverzeichnis oder eine Danksagung nicht mit Seitenzahlen versehen.

Für Großansicht bitte Bild anklicken.
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Schusterjungen und Hurenkinder vermeiden

Von einem Schusterjungen (heute auch Waisenkind) wird gesprochen, wenn eine einzelne, in diesem Fall die erste Zeile eines Absatzes die letzte Zeile auf einer Seite ist. (Im Bild unten links zu sehen). Ein Hurenkind (heute auch Witwe) ist dagegen eine einzelne, hier die letzte Zeile eines Absatzes, die auf einer neuen Seite steht. (Im Bild oben rechts zu sehen).

 

Sowohl Schusterjungen als auch Hurenkinder beeinträchtigen die Ästhetik des Satzspiegels und sollten deshalb vermieden werden. Das ist durch entsprechende Streichungen oder Ergänzungen in den jeweiligen Textabschnitten möglich.

 

Wichtig: Während sich die allgemeingültige Definition lediglich auf einzelne Zeilen eines Absatzes bezieht, wird sie bei wissenschaftlichen Arbeiten auch auf Kapitel übertragen und in ihrer Definition ausgeweitet. Das bedeutet, dass ebenso vermieden werden sollte, ein neues Kapitel ganz unten auf einer Seite zu beginnen bzw. im Umkehrschluss ein Kapitel auf einer neuen Seite zu beenden. Hier gilt für beide Fälle, dass ein Kapitel mit mindestens vier Zeilen auf einer Seite vertreten sein sollte (Überschrift nicht miteingerechnet). Im Falle eines Schusterjungen sollte das Kapitel auf eine neue Seite geschoben werden, im Falle eines Hurenkindes sollte das Kapitel entsprechend gekürzt oder verlängert werden.

Fußnotentext

Ein Fußnotentext beginnt stets mit der Großschreibung und endet immer mit einem Punkt. Ist das letzte Zeichen bereits ein Punkt (z. B. bei f.), dann kommt keine weitere Interpunktion zum Einsatz. Zudem sind  wie im Fließtext  der Blocksatz und die Silbentrennung einzuhalten. Anders sieht es dagegen bei der Schriftgröße und dem Zeilenabstand aus: Der Text wird in einer kleineren Schriftgröße als der Fließtext sowie mit einem einfachen Zeilenabstand verfasst. 

Fußnoten im Fließtext richtig setzen

Fußnotenziffern werden direkt hinter ein Interpunktionszeichen gesetzt  das heißt, bei direkten/wörtlichen Zitaten direkt hinter die abschließenden Anführungszeichen und bei indirekten/sinngemäßen Zitaten nach dem abschließenden Punkt.

 

Nehmen Sie nur im ersten Satzabschnitt Bezug auf einen Autor und beenden den Satz mit eigenem Gedankengut, dann steht die Fußnote am Ende des besagten Satzabschnittes bzw. hinter dem dazugehörigen Komma. 

 

Wollen Sie dagegen bspw. einen bestimmten Begriff in einer Fußnote näher erläutern, dann gehört die Fußnotenziffer direkt hinter den entsprechenden Terminus.

Anzahl der Autoren bei der Quellenangabe

Geht ein Werk auf bis zu zwei Autoren zurück, werden beide Namen in der Quellenangabe genannt. Bei mehr als zwei Autoren besteht die Möglichkeit, lediglich den ersten Autor anzugeben in Verbindung mit et al.. Verpflichtend ist „et al.“ dagegen, wenn es sich um mehr als drei Autoren handelt. Im Literaturverzeichnis sind allerdings alle Autoren zu nennen.

Inhaltliche Anforderungen

Subjektive Schreibweise vermeiden

In Ihrer Seminar- oder Abschlussarbeit sollen Sie zwar zu einem eigenen Ergebnis kommen, dennoch darf dieses nicht offensichtlich als solches verfasst werden. Gleiches gilt auch für sogenannte Ankündigungen innerhalb Ihrer Arbeit. Demnach sollten subjektive Wendungen mit ichmein etc. vermieden werden.

 

     Falsch: Zunächst werde ich einen Überblick über die Geschichte des [...] geben.

     Richtig: Zunächst wird ein Überblick über die Geschichte des [...] gegeben. 

 

     Falsch: Meine Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema [...].

     Richtig: Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema [...].

Stellungnahmen formulieren - Wertendes Schreiben

Auch hier gilt: Objektivität bewahren. Der Leser wissenschaftlicher Arbeiten ist nicht an der unbegründeten subjektiven Meinung (Eindrücke, Vorlieben, Bekenntnisse) des Autors interessiert, denn sie kann keinen allgemeinen Geltungsanspruch erheben. Beziehen Sie sich stattdessen auf Ihre eigenen oder fremde Forschungsergebnisse und formulieren Sie Aussagen, die sachlich, neutral und unvoreingenommen sind. 

Wortverbindungen und zweiteilige Konjunktionen

Wortverbindungen sind Einheiten von mehreren Wörtern, die häufig oder immer gemeinsam verwendet werden. Zu den verpflichtenden Wortverbindungen bzw. zu den zweiteiligen Konjunktionen zählen:

 

     sowohl ... als auch

     entweder ... oder

     auf der einen Seite ... auf der anderen Seite

     zum einen ... zum anderen

     einerseits ... andererseits

     je ... desto 

     nicht nur ... sondern auch

     weder ... noch

Anführungsstriche

In deutschen Texten stehen die einleitenden Anführungsstriche immer unten, die abschließenden immer oben. Bitte verwenden Sie demnach nicht die englische Schreibweise, bei der auch die einleitenden Anführungsstriche oben stehen, auch wenn es sich bspw. um ein englisches Zitat handeln sollte. 

Der Doppelpunkt

Folgt nach einem Doppelpunkt ein vollständiger Satz, dann wird dieser mit der Großschreibung begonnen. Kleinschreibung kommt dagegen zum Einsatz, wenn nach dem Doppelpunkt eine Aufzählung folgt.